Burkhard Cramer

»Eine Kirche, die von unten gestaltet wird«

Ich glaube Dir, setze mein Vertrauen in Dich – Jesus, der Du mein Christus, mein Befreier bist. Im Namen Gottes bin ich auf Dein Leben und Schicksal hin mit Wasser und Öl getauft. Mir – Burkhard, gilt die Zusage ein königlicher, prophetischer und priesterlicher Mensch – Gottes geliebtes Kind zu sein.

Im Glauben, das heißt in Beziehung mit Gott zu leben, eröffnet mir ein Dasein jenseits der Welt der Anpassung, des Nutzens und der Macht. Damit habe ich aber auch einen Weg eingeschlagen, egoistische Vorstellungen aufzugeben und immer neu falsche Selbst-, Menschen- und Gottesbilder loszulassen.

Loslassen fühlt sich an wie „leer“ werden, als wenn das eigene Ego zu Grunde geht – auf den Grund geht. Dort erst kann sich mein „innerstes Selbst“, das Gott mit seiner unendlichen und ewigen Gnade, Barmherzigkeit und Liebe füllt, entfalten. Hier ist „alles“ was ich im Wesentlichen bin. Meine „Leere“, mein „innerstes Selbst“ jedoch kann die Welt nicht mehr beherrschen, therapieren, besitzen oder über es verfügen.

Das Bekenntnis zu meinem „Schwul sein“ war eine der wesentlichen Stationen auf meinem Glaubensweg. Dabei vertraute ich auf meine erste große Liebe, Jesus Christus, der mir Ort und Tag meines „coming out“ schenken würde:

1992 besuchte ich meinen ersten Gottesdienst im „Projekt, schwul + katholisch …“.
Es war das erste Mal, dass ich mich ganz wahrnahm – wahrhaftig sein konnte.
Am selben Abend noch verliebte ich mich in Gregor, die Liebe meines Lebens.
Nach 20 Jahren Partnerschaft haben wir 2012 unsere Lebenspartnerschaft eintragen lassen und 2013 den Segnungsgottesdienst in meinem Heimatdorf gefeiert.
Seit dieser Zeit engagiere ich mich im PSK.

Gemeinschaften wie diese sind Teil der Kirche und kommen wie Graswurzeln von unten. Es sind Gemeinschaften, in denen wir unseren Glauben miteinander teilen, unser Herz, unsere Visionen, unsere Tränen, ja auch unseren Zorn. Die Kirche,
die uns oft nicht versteht und ausgrenzt, ist eine Kirche, die maßgeblich von oben gestaltet wird. Das neue, gerade auch im PSK, ist eine Kirche, die von unten gestaltet wird. Wir müssen daher das Evangelium – die Gute Nachricht, dass Gott mit uns ist – so sagen und leben, dass die Gemeinschaft der Kirche uns hören muss und nicht mehr sagen kann, dass wir nicht Teil der Kirche sind.