Corinna und Michael Ling

»Unaufgeregte, meditative Atmosphäre der Gottesdienste«

Wir haben als heterosexuelles Paar über Jahre am Projekt unserer schwul-lesbischen Freunde in der Gemeinde Maria Hilf rege teilgenommen. Wir sind der Einladung gefolgt, da sich die Gemeinschaft nicht nur auf schwul-lesbische Menschen beschränkt, sondern für alle offen ist. Wir begrüßen es sehr, dass sich hier Menschen zusammengefunden haben, die sich wegen ihres So-Seins ihre Menschen- und Christenrechte nicht absprechen ließen, sondern sich – trotz nicht selten negativsten Erfahrungen mit der katholischen Kirche – innerhalb der Kirche nachdrücklich dafür eingesetzt haben. Das wollten wir nach Kräften unterstützen.

Die Art und Weise, wie das Befreiende des christlichen Glaubens im Projekt „schwul und katholisch“ und seinen verschiedenen Vollzügen gelebt wird, hat uns zahlreiche positive Impulse vermittelt. So gefiel uns etwa im Hinblick auf die Liturgie die unaufgeregte, meditative Atmosphäre der Gottesdienste, die ein eigener Kreis vorbereitete, außerordentlich gut. Die Gottesdienste sind immer im Leben verortet, so dass sich nicht nur jeder dort einbringen oder wiederfinden, sondern auch viel für das tägliche Leben „mitnehmen“ kann.

Da wir zumindest auf andere Art und Weise, sozusagen mit „veränderten Vorzeichen“ negative und repressive Erfahrungen mit der römisch-katholischen Kirche gemacht haben, waren wir von Hintergrund, Selbstverständnis und Vollzügen des Projektes unmittelbar angesprochen. Wir haben sehr großen Respekt vor den Mitgliedern des Projekts, dass sie trotz des bisherigen Umgangs der katholischen Kirche mit schwul-lesbischen Menschen ganz bewusst in der Kirche bleiben und für Veränderungen im Bereich Kirche und Homosexualität arbeiten. Wir hoffen mit ihnen, dass aufgrund der Signale, die der gegenwärtige Papst gesetzt hat, auch hier wie in der Zivilgesellschaft ein neues Miteinander entstehen und wachsen kann.