Hubert Michael Ruß

»Eine lebendige Gemeinschaft, in der ich mich (auch) als schwuler Mann angenommen weiß«

Seit den Gründungstagen in den neunziger Jahren bin ich, Hubert Michael, Mitglied in der PSK-Gemeinde und besuche seitdem, bis auf vier Jahre Abwesenheit, in denen ich in Marokko gearbeitet habe, fast regelmäßig die monatlichen Sonntagsgottesdienste.

In diesen über zwanzig Jahren habe ich ihren spirituellen Wert sehr schätzen gelernt und bin im Verlauf dieser Zeit mehr und mehr abgekommen, die herkömmlichen, stets monoton ablaufenden katholischen Gottesdienste in den Frankfurter Kirchen zu besuchen.

Dort erlebe ich nur Anonymität in der Erfüllung einer bloß stereotypen Sonntagspflicht, hier aber lebendige Gemeinschaft, in der ich mich (auch) als schwuler Mann angenommen weiß. Hier kann ich mich persönlich einbringen, werde gehört, erfahre ich jene Gemeinschaft, und nicht nur Mahlgemeinschaft, wie sie auch Jesus mit seinen Jüngern praktizierte, ergänzend durch persönliche Begegnungen und Erfahrungsaustausch. Diese meine Verbundenheit zeige ich nach außen aktiv durch meinen alljährlichen LAUF FÜR MEHR ZEIT, einen Benefiz-Lauf für die an AIDS Erkrankten in Frankfurt, wofür ich Sponsorengeld sammle und für das PSK auf 10 km ‚Flagge zeige‘.
Die Anerkennung und damit Aufwertung erfuhr das PSK in einem langen (und zuweilen langwierigen Prozess) durch die Akzeptanz der katholischen Amtskirche, die alljährlich bei uns – früher durch den Limburger Diözesanbischof Franz Kamphaus, jetzt durch die Präsenz von unserem Stadtdekan, Johannes zu Eltz – vertreten wird, mit dem wir einen offenen, d.h. auch kritischen Dialog führen können, was (leider) immer noch nicht in allen Landeskirchen möglich ist. Diese Anerkennung zeigt mir, dass ich mich jetzt auch als schwuler Christ von der offiziellen Amtskirche angenommen weiß, die damit zeigt, dass sie lernfähig ist, im Sinne Jesu nicht mehr auszugrenzen.