Dr. Thomas Martau

»Ein Einlassen in die letztendliche Wahrheit und Wirklichkeit«

Christlicher Glaube ist für mich die Bejahung der Existenz Gottes in der Form Gott so zu denken, wie er sich in Christus offenbart hat. Eine Kraft, die mich in allen Lebenssituationen trägt, ein Einlassen in die letztendliche Wahrheit und Wirklichkeit, auch wenn sie immer ein Geheimnis für mich bleiben wird.

Glaube braucht ein Medium, in dem er leben und sich entfalten kann, dazu braucht es die Kirche. Es geht dabei nicht primär um die Kirche als Institution, die in ihren strukturellen Ausprägungen durchaus ihren Sinn hat. Es geht um die Menschen, die dort ihren Glauben und ihre Zweifel teilen. Insofern bin ich mit der katholischen Kirche tief verwurzelt. Daher schmerzt mich die aus multikausalen Gegebenheiten und Entwicklungen herrührende Krise der Kirche, die zur gesellschaftlichen Irrelevanz abzudriften scheint, sehr. Die Worte von Karl Rahner, dass der Christ der Zukunft einsamer sein wird als der vergangener Zeiten, dass aber die Christen, die einander begegnen, sich näher sein werden, als viele Christen früherer Tage, treffen auf die momentane Situation zu, mögen aber auch ein Trost sein.
Eine andere sexuelle Orientierung zu haben, dem haftet auch heute noch vielfach ein Nimbus sündhaften Soseins und Daseins an. Dagegen mit Gleichgesinnten anzugehen, schafft schon eine Nähe in der gemeinsamen Sache. Dafür ist das PSK eine gute Plattform. Durch Beharrlichkeit im Tun und im Gebet sind Menschen und Christenrechte in der katholischen Kirche eingefordert worden und das hat viele zum Umdenken bewogen. Die Situation, dass queere Gottesdienstgemeinschaften offiziell auf Katholikentage eingeladen werden und das Diözesansynoden sich mit Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften befassen, ist auch mit ein Verdienst dieser Beharrlichkeit.