Thomas Pöschl

»Der bedeutendste Wendepunkt in meinem Leben«

Was sagt mir der christliche Glaube?
Der christliche Glaube war und ist ein kurvenreicher Weg für mich. Meine Eltern sind ein gemischt konfessionelles Ehepaar, was in meiner Kindheit in den 1960er Jahren für beide Herkunftsfamilien ein Problem darstellte.

Jeden Sonntag ging mein katholischer Vater mit meinem Bruder und mir in die Kirche zum Kindergottesdienst. Die Mutter blieb zu Hause. Das Gottesdienstgeschehen fand ich fast immer spannend und interessant, vor allem die Evangeliumstexte und die Predigt.

Ich erlebte dann in den Jugendjahren eine Gemeinde, in der christliche Werte wie gegenseitige Hilfe und Unterstützung, einfaches „unpompöses“ Gottesdienst-Feiern, Nähe zu den Menschen mit ihren Problemen und Schwächen gelebt wurde. Das dreifache Liebesgebot wurde gelebt und gab mir die Richtschnur und den Mut, dies in meinem Leben umzusetzen.

Wie geht es mir mit der katholischen Kirche?
Anders als in der eigenen (katholischen) Gemeinde erlebt, nahm und nehme ich die katholische Kirche als Ganzes als oft einengend und nicht freimachend war. Es gibt eine Sonntags“pflicht“, als Beispiel dafür, dass Vorschriften und Formalitäten einzuhalten sind. Statt eines Klimas, wo Freiheit in Verantwortung („Subsidiarität“) vorhanden ist, herrscht zentralistische, feudale, weltfremde Verbotsmoral. Die „Reinheit“ der Lehre und die Reinheit der Kirche stehen (hoffentlich: standen!) im Vordergrund.

Was bedeutet mir die schwul-lesbische Gottesdienstgemeinschaft in Maria Hilf…?
Das Kennenlernen dieser Gottesdienstgemeinschaft stellt für mich den bedeutendsten Wendepunkt in meinem Leben dar. Aus Neugierde, was das denn sein könnte, bin ich zu Pfingsten 1994 aus Nürnberg hierher zum Gottesdienst gekommen. Hier kann ich meinen christlichen Glauben in der Gemeinschaft erfüllend leben. Und hier habe ich beim Gottesdienst meinen Mann fürs Leben kennengelernt, mit dem ich seit 26 Jahren ein Paar bin.