Wolfgang Nuss

»Sich nicht mehr von überholten Moralvorstellungen fremd bestimmen lassen«

Als ich nach Frankfurt zog, stieß ich schon wenige Wochen später auf das Projekt schwul und katholisch. Zuvor lag mein christlicher Glaube, den ich seit meiner Kindheit nie abgelegt hatte, 20 Jahre lang ziemlich auf Eis, denn nach meinem Coming Out konnte ich lange Zeit nicht mehr sehen, wo in der katholischen Kirche ein Platz für mich sein könnte.

In den Gottesdiensten des PSK fühlte ich mich aber sehr schnell heimisch: die selbstbestimmte und selbstbewusste Art, Messen selbst vorzubereiten und zu feiern, war mir schon von meiner Zeit in der katholischen studierenden Jugend her vertraut. PSK ist für mich die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden und sich nicht mehr von überholten Moralvorstellungen fremdbestimmen zu lassen. Und dabei so ganz nebenbei zu erfahren, dass sich in der katholischen Kirche allmählich etwas ändert, auch weil sie mit Gemeinden wie uns umgehen lernen muss.